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airBaltic Insolvenz: Chapter 11 in den USA

AirBaltic Insolvenz: Was die Chapter-11-Anmeldung für Passagiere bedeutet

airBaltic hat am 14. September 2026 in den USA Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt, um sich finanziell neu aufzustellen. Die lettische Fluggesellschaft reichte den Antrag beim US-Insolvenzgericht für den Southern District of New York ein, zusammen mit den Tochtergesellschaften Air Baltic Training und Baltijas Kravu Centrs (Baltic Cargo Center). Trotz der Insolvenzanmeldung betont airBaltic, dass alle Flüge planmäßig weiterlaufen und Tickets weiterhin gültig bleiben.

Was ist bei airBaltic passiert?

Air Baltic Corporation AS, die nationale Fluggesellschaft Lettlands und größter Carrier im Baltikum, hat freiwillig ein Chapter-11-Verfahren nach US-Insolvenzrecht eingeleitet. Der Antrag wurde am Montag, dem 14. September 2026, beim zuständigen US-Gericht in New York eingereicht. Ziel des Verfahrens ist es, die finanziellen Verbindlichkeiten des Unternehmens umzustrukturieren, während der reguläre Flugbetrieb ungestört fortgesetzt wird. airBaltic-CEO Erno Hildén erklärte, der Fokus liege darauf, die Fluggesellschaft weiterzubetreiben und gleichzeitig die im neuen Businessplan vorgesehenen Veränderungen umzusetzen.

Warum hat airBaltic Chapter-11-Insolvenz angemeldet?

Mehrere Faktoren führten zur finanziellen Schieflage von airBaltic. Ausschlaggebend war vor allem der starke Anstieg der Treibstoffpreise infolge des Iran-Kriegs, gegen den sich airBaltic nicht abgesichert hatte, sowie anhaltende Nachwirkungen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Kriegs. Auch Triebwerksprobleme an der Airbus-A220-Flotte, verursacht durch das sogenannte Pulvermetall-Problem bei Pratt-&-Whitney-Triebwerken, belasteten das Unternehmen zusätzlich. Im ersten Quartal 2026 verzeichnete airBaltic einen Nettoverlust von 70 Millionen Euro. Im August 2026 hatten die Anleihegläubiger bereits geänderten Bedingungen für ausstehende Anleihen im Wert von 380 Millionen Euro zugestimmt, einschließlich eines Zahlungsaufschubs bei den Zinsen. Unmittelbarer Auslöser für die Chapter-11-Anmeldung war jedoch, dass mehr als 70 Prozent der Anleihegläubiger einen Vorschlag über 257 Millionen Euro neue Anleihen mit einem Zinssatz von 25 Prozent ablehnten und stattdessen eine Liquidation bevorzugten. Laut Gerichtsunterlagen verfügt airBaltic über rund 583 Millionen US-Dollar an Schulden und Leasingverbindlichkeiten sowie weitere 106 Millionen Euro an Lohnsteuern und Luftfahrtabgaben. Insgesamt sind bis zu 25.000 Gläubiger von dem Verfahren betroffen; die größte Einzelforderung in Höhe von 66,5 Millionen US-Dollar hält der Triebwerkshersteller Pratt & Whitney.

Wie finanziert sich airBaltic während des Verfahrens?

Für die Dauer des Chapter-11-Verfahrens hat sich airBaltic eine neue Zwischenfinanzierung in Höhe von 350 Millionen Euro gesichert, eine sogenannte Debtor-in-Possession-Finanzierung (DIP). Organisiert wurde die Finanzierung von Strategic Value Partners, mit Beteiligung von Barclays, Hayfin Capital Management, Morgan Stanley und Oaktree Capital Management. Der Zinssatz entspricht dem Referenzzinssatz SOFR zuzüglich acht Prozentpunkten, was aktuell rund 12 Prozent entspricht, vorbehaltlich der gerichtlichen Genehmigung. Das Unternehmen strebt an, durch die Restrukturierung eine jährliche Gewinnverbesserung von 44 Millionen Euro zu erzielen. Das Verfahren soll voraussichtlich bis Juni 2027 abgeschlossen sein.

Was bedeutet die Insolvenz für Passagiere?

Für Passagiere ändert sich nach Angaben von airBaltic zunächst nichts. Alle Flüge werden planmäßig durchgeführt, bestehende Tickets und Buchungen bleiben gültig, und Passagiere müssen keine eigenen Schritte unternehmen. Auch Rückerstattungen sowie Gutschriften im Zusammenhang mit Gepäck- oder Serviceansprüchen werden weiterhin gemäß den bestehenden Richtlinien bearbeitet. airBaltic betont, dass das Chapter-11-Verfahren für Reisende nicht spürbar sein werde, da es ausschließlich die finanzielle Restrukturierung des Unternehmens betrifft. Im August 2026 beförderte airBaltic 554.700 Passagiere, ein Plus von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.air baltic

Wem gehört airBaltic?

airBaltic befindet sich zu rund 88 bis 89 Prozent im Besitz des lettischen Staates. Die Lufthansa Group hält einen Anteil von 10 Prozent am Unternehmen, der restliche kleine Anteil liegt bei privaten Aktionären. Die Fluggesellschaft wurde am 28. August 1995 als Gemeinschaftsunternehmen zwischen der schwedischen Scandinavian Airlines (SAS) und der lettischen Regierung gegründet, nachdem die vorherige staatliche Fluggesellschaft Latavio insolvent geworden war. Der Hauptsitz von airBaltic liegt in Riga, mit dem Riga International Airport als Hauptdrehkreuz sowie weiteren Standorten in Vilnius und Tallinn. Die Flotte besteht ausschließlich aus Airbus-A220-300-Flugzeugen; airBaltic betreibt damit die weltweit größte Flotte dieses Flugzeugtyps mit rund 54 bis 56 Maschinen, von denen nur 15 im Eigentum der Airline stehen, während der Rest geleast ist. Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 3.000 Mitarbeitende.

Wie geht es mit airBaltic weiter?

airBaltic wählte das US-amerikanische Chapter-11-Verfahren, da seine finanziellen Verbindlichkeiten international ausgerichtet sind und das Verfahren rechtlich gut etabliert ist. Andere europäische Fluggesellschaften, etwa Scandinavian Airlines (SAS), haben bereits ähnliche Restrukturierungen über Chapter 11 durchlaufen. Für airBaltic kommt der Schritt zudem nach wiederholt verschobenen Börsengangsplänen (IPO). In den kommenden Monaten will sich das Unternehmen mit allen Stakeholdern über tragfähige Konditionen verständigen. Der gerichtlich überwachte Restrukturierungsprozess soll bis etwa Juni 2027 abgeschlossen sein.

Fazit

Die Chapter-11-Insolvenzanmeldung von airBaltic am 14. September 2026 markiert einen bedeutenden Schritt für die lettische Fluggesellschaft, die unter hohen Treibstoffkosten, geopolitischen Störungen und wachsenden Schulden litt. Mit einer gesicherten Zwischenfinanzierung von 350 Millionen Euro und einem angestrebten Verfahrensabschluss bis Juni 2027 will airBaltic seine Kapitalstruktur nachhaltig verbessern. Für die rund 88 bis 89 Prozent staatlich gehaltene Fluggesellschaft, die als zentrale Luftverkehrsanbindung für alle drei baltischen Staaten gilt, bleibt der reguläre Flugbetrieb während des gesamten Verfahrens unverändert bestehen — Passagiere müssen keine Beeinträchtigungen befürchten.

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